FCI - Standard Nr. 239 / 13. 09. 2000 / D

DRAHTHAARIGER UNGARISCHER VORSTEHHUND (VIZSLA)

ÜBERSETZUNG: Peter Weit, Uwe Fischer und Dr. J.-M.Paschoud

URSPRUNG: Ungarn

DATUM PUBLIKATION DES ORIG. STANDARDES: 06. 04. 2000

VERWENDUNG

Vielseitig einsetzbarer Jagdgebrauchshund, der sowohl im Feld, im Wald und im Wasser brauchbar sein muss, wobei
er folgende typische Eigenschaften besitzt: ausgeprägter Spürsinn, festes Vorstehen, ausgezeichnetes Apportierverhalten
und zielstrebiges Verfolgen der Schwimmspur bei grosser Wasserfreudigkeit. Er verträgt sowohl schwieriges Gelände
als auch extreme Wetterlagen. Als leistungsfähiger Jagdgebrauchshund sind Schuss- und Wildscheue, eine fehlende
Bereitschaft zum Vorstehen bzw. zum Appportieren ebenso unerwünscht wie die fehlende Wasserfreudigkeit.
Wegen seines problemlosen Naturells und seiner Anpassungsfähigkeit kann er auch in der Wohnung leicht
gehalten werden.

KLASSIFIKATION FCI

Gruppe 7 Vorstehhunde.
Sektion 1 Kontinentale Vorstehhunde.
Mit Arbeitsprüfung (Feld- und Wasser- prüfung).

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS

Der Drahthaarige Ungarische Vizsla entstand durch Kreuzung des Kurzhaarigen Ungarischen Vorstehhundes mit
dem Drahthaarigen Deutschen Vorstehhund in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Seine Rassemerkmale sind
denen des Kurzhaarigen Ungarischen Vorstehhundes gleich.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD

Ein lebhafter, semmelgelber, trockener und hagerer Jagdhund, dessen Körperbau robuster ist als der des
kurzhaarigen Ungarischen Vorstehhundes. Seine Erscheinung ist das Spiegelbild eines für jeden Zweck geeigneten
Vorstehhundes und lässt Ausdauer, Leistungsfähigkeit und Anspruchslosigkeit erkennen.

WICHTIGE PROPORTIONEN

Die Körperlänge übertrifft etwas die Widerristhöhe
Die Brustkorbtiefe beträgt etwas weniger als die Hälfte der Widerristhöhe
Der Fang ist etwas kürzer als die Hälfte der Kopflänge

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN

Ein anhänglicher, leicht erziehbarer und gelehriger, selbstbewusster Hund, der keine grobe Behandlung verträgt. Er
hält Kontakt mit seinem Führer, sucht leidenschaftlich, ist beharrlich, verfügt über eine gute Nase und steht
hervorragend vor.

KOPF

OBERKOPF

Schädel: Mässig breit, leicht gewölbt, in der Mitte eine schwach ausgebildete Stirnfurche aufweisend, die von dem
mässig entwickelten Hinterhauptbein ausgeht und in Richtung des Stops verläuft.
Die Augenbrauenbogen sind mässig entwickelt.
Stop: Mässig.

GESICHTSSCHÄDEL

Nasenschwamm: Breiter und gut entwickelter Nasenschwamm mit möglichst weiten Nasenlöchern. Die Farbe
des Nasenschwamms harmonisiert in einem dunklen Ton mit der Farbe des Haarkleides.
Fang: Stumpf, nicht zugespitzt, mit kräftigen Kiefern, stark muskulös. Der Nasenrücken ist gerade.
Lefzen : Straff anliegend, keine Hängebelefzung.
Kiefer / Zähne : Kräftige Kiefer mit einem perfekten, regelmässigen und vollständigen Scherengebiss, wobei die
obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne in etwa senkrecht im Kiefer stehen;
mit 42 gesunden Zähnen gemäss Zahnformel.
Backen : Kräftig, gut bemuskelt.
Augen : Leicht oval, von mittlerer Grösse. Die Lider sind gut am Augapfel anliegend. Der Blick ist lebhaft und intelligent.
Die Augenfarbe ist braun und harmonisiert mit der Farbe des Haarkleids, wobei bevorzugt wird, wenn die Augen
möglichst dunkel sind.
Behang : Etwas hinten und mittelhoch angesetzt. Der Ohrlappen ist fein, liegt an den Backen an und endet nach unten
in einer abgerundeten V-Form. Die Länge beträgt etwa drei Viertel der Kopflänge.

HALS

Mittellang, in Harmonie zum Gesamtbild. Nacken sehr muskulös und leicht gewölbt. Straff anliegende Kehlhaut.

KÖRPER

Widerrist : Ausgeprägt und muskulös.
Rücken: Fest, gut bemuskelt, straff und gerade. Die Dornfortsätze sollen durch Muskulatur verdeckt sein.
Lenden : Kurz, breit, straff, muskulös, gerade oder leicht gewölbt. Übergang vom Rücken zur Lende stramm und kompakt.
Kruppe : Breit und genügend lang, nicht kurz abgeschlagen, zur Rute hin leicht abfallend; gut bemuskelt.
Brust : Tief und breit mit gut ausgeprägter, muskulöser und mittelmässig gewölbter Vorbrust; möglichst weit nach
hinten reichendes Brustbein. Brustbein und Ellenbogengelenk sollen auf gleicher Höhe liegen.
Rippen mässig gewölbt. Hintere Rippen gut herabreichend.
Untere Profillinie und Bauch : In einem eleganten Bogen leicht aufgezogen nach hinten verlaufend, straff.

RUTE

Mittelhoch angesetzt, am Ansatz kräftig, sodann sich verjüngend. In Ländern in denen kein Kupierverbot
gesetzlich vorgeschrieben ist, kann die Rute vorsorglich für den Jagdeinsatz um ein Viertel gekürzt werden. Sofern die
Rute nicht gekürzt werden kann, reicht sie bis zum Sprunggelenk und wird gerade bzw. leicht säbelförmig getragen.
In der Bewegung wird sie bis zur Horizontalen erhoben. Rute gut und dicht behaart.

GLIEDMASSEN

VORDERHAND : Von vorne betrachtet sind die Vorderläufe parallel; von der Seite betrachtet senkrecht und gut unter
dem Körper gestellt. Gute Knochenstruktur und starke Muskulatur.
Schultern : Schulterblatt lang, schräg und nach hinten flach anliegend. Elastisch in der Bewegung. Kräftige,
trockene Muskulatur. Gute Winkelung zwischen Schulterblatt und Oberarm.
Oberarm : Möglichst lang und gut bemuskelt.
Ellenbogen : Am Körper anliegend, jedoch nicht angepresst, weder auswärts noch einwärts gedreht. Gute
Winkelung zwischen Oberarm und Unterarm.
Unterarm : Lang, gerade, ausreichend bemuskelt. Kräftige, nicht grobe Knochen.
Vorderfusswurzelgelenk : Trocken, straff.
Vordermittelfuss : Kurz, nur ganz leicht schräg gestellt.
Vorderpfoten : Leicht oval, mit eng aneinanderliegenden, ausreichend gewölbten, kräftigen Zehen. Kräftige, braune
Krallen. Derbe, widerstandsfähige, schiefergraue Ballen. Im Stand und in der Bewegung fussen die Pfoten parallel.


HINTERHAND:
Allgemeines : Von hinten betrachtet sind die Hinterläufe gerade und parallel. Gute Winkelungen. Kräftige Knochen.
Oberschenkel: Lang und muskulös. Gute Winkelung zwischen Becken und Oberschenkel.
Knie : Gute Winkelung zwischen Ober- und Unterschenkel.
Unterschenkel : Lang, muskulös und sehnig. Seine Länge entspricht beinahe der Länge des Oberschenkels.
Gute Winkelung zwischen Unterschenkel und Hintermittelfuss.
Sprunggelenk : Kräftig, trocken und sehnig, relativ niedrig gestellt.
Hintermittelfuss : Senkrecht, kurz und trocken.
Hinterpfoten : Wie die Vorderpfoten.

GANGWERK

Die typische Gangart ist ein schwungvoller, leicht-füssiger, eleganter und raumgreifender Trab, mit viel Schub und
entsprechendem Vortritt. Während der Feldsuche ausdauernder Galopp. Gut aufgerichtete Haltung.
Passgang ist unerwünscht.

HAUT

Straff anliegend, ohne Faltenbildung. Die Haut ist gut pigmentiert.

HAARKLEID

HAAR : Drahthaarig, anliegend, kräftig, dicht und glanzlos. Das Deckhaar ist 2 bis 3 cm lang; dichte,
wasserabweisende Unterwolle. Die Umrisse des Körpers dürfen durch das längere Haarkleid nicht verdeckt werden.
Es soll durch Härte und Dichte möglichst guten Schutz gegen Wettereinflüsse und Verletzungen bieten. Die unteren
Partien der Läufe sowie der untere Bereich von Brust und Bauch sollen kürzer, weicher und etwas dünner, der Kopf
und Behang kürzer und zugleich dunkler, jedoch nicht weich und dicht behaart sein. Betonte Augenbrauen
verdeutlichen den Stop. Dies und ein kräftiger, nicht zu langer (2-3 cm), möglichst harter Bart an beiden Seiten des
Fanges unterstreichen den energischen Gesichtsausdruck. An beiden Seiten des Halses befinden sich V-förmige Bürsten.

FARBE : Verschiedene Abstufungen von semmelgelb. Der Behang kann etwas dunkler sein, sonst einheitlich in der
Farbe. Rote, bräunliche, oder aufgehellte Farbtöne sind unerwünscht. Ein kleiner, weisser Fleck an der Brust oder
im Bereich der Kehle, dessen Durchmesser 5 cm nicht überschreiten darf, sowie weisse Abzeichen an den Zehen
gelten nicht als Fehler. Die Farbe der Lefzen und der Augenlider entspricht der Farbe des Nasenschwammes.

GRÖSSE

Widerristhöhe : Rüden : 58 - 64 cm.
Hündinnen : 54 - 60 cm.
Es ist unproduktiv die Widerristhöhe zu vergrössern. Eine mittlere Grösse ist anzustreben. Das statische und
dynamische Gleichgewicht und die Symmetrie sind weitaus wichtiger als die in Zentimeter gemessene Grösse.

FEHLER

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in
genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

AUSSCHLIESSENDE FEHLER

N.B.: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.